Aktions-Tablett: Spielangebote im Freispiel in der Kinderkrippe Sendling

Ui, was ich hier alles alleine machen kann!

Moritz betritt den Raum und blickt sich kurz um. Sein Blick bleibt auf dem Tisch mit den verschiedenen „Aktions-Tabletts“ hängen. „Was ist das?“, fragt er und deutet in den Gruppenraum. Er lächelt neugierig und sucht sich bereits einen Platz aus, der ihm gefällt. Er ist zweieinhalb Jahre alt und seit einem Jahr in der Kinderkrippe in Sendling. Kurz wirft er einen Blick zurück zu seiner Erzieherin, die ihm zunickt, schon setzt er sich auf den Stuhl seiner Wahl.

Die erwähnten „Aktions-Tabletts“ symbolisieren hier sozusagen den „Arbeitsplatz“ der Kinder, und helfen ihnen sich auf eine Tätigkeit zu konzentieren, da sie einen abgegrenzten Raum für das Kind darstellen. So ist die Aufmerksamkeit der Kinder automatisch auf die neue Aktion gerichtet und damit polarisiert. Keine Ablenkung, keine Unsicherheit bringt sie durcheinander.

„Aktions-Tabletts“ für ein selbstbestimmtes Lernen

Die Wichtel Akademie und in diesem Fall die ErzieherInnen in Sendling ermöglichen den Krippenkindern durch die „Aktions-Tabletts“ ein selbstbestimmtes Lernen. Die Krippenkinder üben ihre Feinmotorik und die Hand-Augen-Koordination sowie ihre Konzentration. Durch Sortieren, Zuordnen und Reihen legen trainieren sie Vorläuferkompetenzen für mathematisches Denken. Frauke Fleck hatte die Aktions-Tabletts im Multiplikatorenkreis kennengelernt und diese pädagogische Anregung von Lilo Baumann sofort in der Praxis umgesetzt.

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Intuitiv nehmen sich die Kinder die „Aktions-Tabletts“ und erkennen die Zusammenhänge. Schon Maria Montessori hob eine gut vorbereitete Umgebung für Übungen des täglichen Lebens hervor. Carina Mietaschk sagt: „Wir sorgen dafür, dass die Kinder möglichst selbstständig sein können. Die ‚Aktions-Tabletts‘ sind dafür ideal, denn sie bieten einen hohen Aufforderungscharakter und die Kinder benötigen keinerlei Instruktion. Diese Materialien sind komplett selbsterklärend und damit ideal geeignet – vor allem fürs Freispiel.“

Erfolg stelle sich ein und so sei die Vorraussetzung geschaffen, um weiterzumachen. Lilo Baumann, verantwortlich für Fortbildungen und fachliche Standards bei der Wichtel Akademie erklärt: „Erfolgserlebnisse setzten im Gehirn Dopamine frei, die Lust auf „Mehr-lernen“ machen. Wie wir wissen, lernen Kinder dann am Besten, wenn sie „freiwillig“ und mit Spaß und in Bewegung spielen.“

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Moritz und die anderen Krippenkinder nehmen die unterschiedlichen Materialien in die Hand. Sie fühlen und probieren und schulen dabei ihre Sinne. Erzieherin und Multiplikatorin Frauke fragt nach und regt die Kinder zum Erzählen und Reflektieren an „Erzähl mal, was Du machst“. Und Moritz legt los: „Das rollt und fühlt sich kalt an.“  Während neben ihm das Mädchen sagt: „Das macht Piek. Tannst Du das einfäden?“ Während die Erzieherin das Mädchen animiert, es selbst zu probieren, schiebt Maja ihre Murmeln in die Mulden des Aktions-Tabletts vor sich.

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Frauke Fleck berichtet dann auch, dass von allen „Aktions-Tabletts“ die Wäscheleine am besten bei den Kindern ankam. Sie vermutet, der Grund dafür liege bei der höchsten Herausforderung: „Hier konnten die Kinder ihre Kräfte am besten testen, weil die Wäscheklammer ja auch schwer zusammenzudrücken ist. Außerdem besteht eine Alltagsverknüpfung, also die Kinder kennen diese Tätigkeit von zuhause und machen gerne alles nach.“

Für alle Eltern, die das selbstbestimmte Lernen ihrer Kinder auch zuhause ermöglichen wollen, biete sich laut Mietaschk das Spiel der Strohhalme mit demumgedrehten  Besteckhalter (IKEA) an. „Das ist einfach zu machen und schnell verstaut“, fügt sie an. Lilo Baumann betont: „Kinder brauchen weniger Spielsachen, dafür mehr ‚Zeug zum Spielen‘ – am besten Utensilien aus dem Küchenschrank.

Die Kinder der Krippe Sendling waren von den „Aktions-Tabletts“ begeistert, daher wird das Angebot nun nach und nach erweitert – zur Freude von Moritz, Maja und Co. Und auch von Erzieherin Frauke: „Es ist eine Freude, die Kinder zu beobachten, wenn sie selbstständig ihr Können erweitern und hungrig auf mehr Herausforderung sind. Solche Momente machen es einfach aus.“