Auf den Hund gekommen

Wie die tiergestützte Pädagogik in der Kita in Sendling gelebt wird

In der Kinderkrippe Sendling herrscht tierische Freude, denn seit Anfang dieses Jahres ist  Krippen-Hund Bandit ein fester Bestandteil der Einrichtung. Der Mischlingsrüde ist der Hund von Carina Mietaschk, Leitung der Wichtel Akademie Sendling. Sie hatte Bandit im Rahmen eines Auslandsaufenthaltes in einer Tierschutzorganisation auf Bali kennen und lieben gelernt und mit nach München gebracht. An drei Tagen in der Woche begleitet der Hund Bandit jetzt eine Gruppe von 4-6 Kindern bei ihren Außenaktivitäten. Die Kinder haben diesen gemeinsamen Ausflügen lange entgegen gefiebert.

Die Vorbereitung für Kinder, Eltern und Hund

Im Vorfeld haben sich Kinder und pädagogische Fachkräfte gemeinsam mit den Verhaltensweisen von Hunden vertraut gemacht. Hierfür nutzten sie unter anderem Bücher und Bilder. Den richtigen Umgang übten sie zunächst an einem Stofftier. Den Eltern wurde das von der Wichtel Akademie eigens erstellte Konzept zur Einführung eines Krippen-Hundes vorgestellt und ihre Einverständniserklärung eingeholt. Und auch Hund Bandit hatte sich ausführlich vorbereitet – er absolvierte die Begleithundeprüfung und hat den Test für den Hundeführerschein bestanden.

Tiergestützte Pädagogik in Theorie und Praxis

Tiere sind Impulsgeber für viele Lernprozesse. Sie regen die menschlichen Sinne an und rufen Empfindungen wach. Sie wecken Gefühle und begünstigen die Entwicklung von Achtsamkeit, Emotionalität, Ehrfurcht, Mitgefühl und Respekt. Die Kinder lernen konkret durch das Zusammensein mit Hund Bandit Grenzen zu akzeptieren, Gefühle zu balancieren und zu kontrollieren und das gegenseitige Verständnis ganz ohne Worte. Auch feinmotorisch schult der Umgang mit dem Hund die Kinder wie zum Beispiel durch die Dosierung der Kraft beim Streicheln und durch Handzeichen für Kommandos (Sitz, Pfote). Haptische Erfahrungen machen die Kinder durch das Berühren von Fell, Pfoten und der Zunge. Auch ist Bandits großer Bewegungsdrang ansteckend und regt die grobmotorischen Fähigkeiten der Kinder an.

Jedes Kind entscheidet dabei selbst und individuell sein Tempo und die Art der Interaktion mit Hund Bandit. Persönliche Grenzen und Ängste werden dabei beobachtet und akzeptiert. Ängstlichere Kindern werden sanft an den Hund herangeführt, zum Beispiel indem sie zunächst indirekt durch die Glasfront des Gruppenraumes mit ihm in Kontakt treten.

Und wie sieht das Zusammenleben in der Sendlinger Krippe aus? Da ist Hund Bandit nicht mehr wegzudenken. Erzieherin Carina Mietaschk beobachtet mit viel Freude, wieviel Sicherheit und Selbstbewusstsein die Kinder durch den Umgang mit dem Hund erfahren. Das zeigt sich in ganz unterschiedlichen Alltagssituationen. „Bei zurückhaltenden Kinder ist der Sprachaspekt enorm“, berichtet Carina. „Sie sprechen gelöst und vertraut mit Bandit und machen die Erfahrung, dass der Hund auf ihre direkten Aufforderungen reagiert.“ Im Straßenverkehr fühlen sich die Kinder für ihren Krippenhund verantwortlich und beachten intensiv und ohne jegliche Aufforderung die Verkehrsregeln, damit ihrem Hund nichts passiert. Das gegenseitige Vertrauen geht sogar so weit, dass Bandit mittlerweile über den Kita-Alltag hinaus seinen Einsatz findet. „Einige Kinder hatten Angst vor dem Haaren schneiden und wollten dies partout nicht zulassen. Also hat Bandit sie zum Friseur begleitet“, erzählt Carina. Mit dem sicheren Partner an ihrer Seite wurde das Haareschneiden zum Kinderspiel. Das freut natürlich auch die Eltern, die ebenso begeistert von dem Kita-Hund sind wie die Kinder und generell ein gestärktes Vertrauen der Kinder im generellen Umgang mit Tieren beobachten.