Elternkommunikation in der bilingualen spanischen Kinderkrippe Fürstenried

Das Monatsprojekt Farben

projektwand-spanische-gruppe-elternkommunikation

Beim Übergabegespräch am Morgen sagt eine Mutter zu Christin Kroll, Gruppenleitung in der bilingualen Kinderkrippe Fürstenried: „Meine Tochter deutet seit gestern auf rote Dinge und sagt die Farbe dazu. Sie ist ganz fasziniert.“ Eine andere Mutter hört das Gespräch mit und stimmt zu: „Mein Sohn macht das auch. Wir sprechen allerdings spanisch miteinander und er sagt ‚rojo‘, also das spanische Wort für Rot.“

Ähnliche Gespräche kommen in dieser Woche während der Bring- und Abholsituationen immer wieder vor und Christin packt jeweils die Gelegenheit beim Schopfe und erklärt: „Farben spielen bei Krippenkindern eine große Rolle und diese Farb-Vokabeln werden sich im kommenden Monat festigen und bei den Kindern jeweils in beiden Sprachen aufgenommen werden.“ Sie ergänzt auch: „Wir beschäftigen uns in der Krippe nun einen Monat mit dem Thema Farben und werden sie auf verschiedene Art und Weise erfahren und greifbar machen.“ Zusätzlich verweist sie auf die für die Elternkommunikation so wichtigen Infoboards und Projektwände, die sich von nun an mit den Farbprojekten,-erklärungen und Bildern füllen werden. Eltern können so verfolgen, auf welche Weise die  Farben spielerisch immer wiederholt werden

In der bilingualen Kinderkrippe in Fürstenried arbeiten die ErzieherInnen nach dem Prinzip der Immersion (eine Person, eine Sprache). So weiß das Kind, welche Sprache es von welcher Person zu erwarten hat. Diesem Prinzip folgen auch die meisten bilingualen Elternpaare. Loann Lamping, Leitung der bilingualen Kinderkrippe Fürstenried berichtet aus Gesprächen mit den Eltern: „Was mich immer wieder erstaunt, ist wie selbstverständlich die Kinder den Unterschied machen. Sie sprechen mit mir deutsch, wenden sich an den jeweiligen Spanisch Native Educator und reden mit dieser Person dann spanisch. Und so ist das auch bei den Eltern. Die Kinder differenzieren bereits am Beginn ihrer Sprachentwicklung sehr klar.“ – Hier gehts zum Video

Im Morgenkreis singen alle gemeinsam ein deutsches und ein spanisches Lied, um in den Tag zu starten. „Alle neuen Lieder stelle ich übrigens auch den Eltern an den Elternabenden zu Beginn des Krippenjahres vor“, erzählt Lamping. „Wir singen es dann gemeinsam, damit die Eltern es zuhause mit ihren Kindern singen können.“

Farben in der Welt entdecken

Alle Kinder erweitern in der Kita ihren Wortschatz, bilden ihre Sprache aus und verfeinern ihre Artikulationsfähigkeit. In der Kita Fürstenried ging es nun darum, dass die Kinder gemeinsam entdecken, wie und wo auf der Welt sich Farben verbergen. Dabei starteten sie jeweils den Tag mit einer Farbe: berührten die farbigen Tücher und malten mit dieser Farbe.

deutsch-spanisch-morgenkreis-elternkommunikation
deutsch-spanisch-farben-elternkommunikation
deutsch-spanisch-fuassabdruecke-elternkommunikation
deutsch-spanisch-abdruecke-elternkommunikation
deutsch-spanischmurmelmalen-elternkommunikation

Die Krippenkinder hinterließen einen Fußabdruck, erkannten, wie sie mit Farbe und Murmeln Bilder kreieren können und waren selbstwirksam. All diese kleinen Kunstwerke und Spuren ihres Wirkens entdeckten die Eltern jeweils beim Abholen oder Bringen in der Kita. Hier verwiesen die Pädagogen auch auf die Basiskompetenzen, die die Kinder bei ihren Aktivitäten stärken. Sei es ihre physische Kompetenz beim Malen oder ihre kognitive Kompetenz beim Sortieren.

deutsch-spanisch-farben-sortieren-elternkommunikation
deutsch-spanisch-farben-morgenkreis-elternkommunikation
deutsch-spanisch-farben-bausteine-elternkommunikation

Auf den Infoscreens betrachteten die Eltern die Bilder ihrer Kinder und im Eingangsbereich hatte Loann Lamping eine Projekttafel angebracht. Hier fanden die Eltern auch die Bildungsbereiche wieder, die bei den jeweiligen Aktivitäten gestärkt wurden. So bildeten die Kinder selbstverständlich beim Malen ihre Kreativität und ihr ästhetisches Empfinden aus, aber auch die Mathematik kam beim Sortieren und Zuordnen zum Tragen. So wurde nach und nach jeder Bildungsbereich angesprochen.

infoscreen

Selbstwirksamkeit – Greifen und Begreifen

Alle Farben vereinten sie dann bei der Übung mit Druck und Farbe. Sie drückten ihre bemalte Hand auf das Papier oder nutzten einen Luftballon als Stempel. Hier stärkten sie zusätzlich zur Farberkennung ihre Graphomotorik und ihre Hand-Augen-Koordidation.

deutsch-spanisch-handabdruck-elternkommunikation
deutsch-spanisch-farbe-luftballondruck
deutsch-spanisch-farbe-hand-elternkommunikation

Immer wieder ging es darum die Farbe auch von draußen nach drinnen zu holen. So unternahmen sie alle gemeinsam Ausflüge in die nähere Umgebung, sammelten Äpfel oder wie Spanisch Native Educator Lidia sagte: „Manzanas“. Und sortierten in „Rojo“ also Rot und Gelb, „amarillo“. Aus diesen Äpfeln backten sie anschließen auch einen Kuchen, was die Kinder besonders begeisterte. Als sie abgeholt wurden erzählten einige ihren Eltern: „Wir haben das, was wir gegessen haben, vorher selbst gesammelt!“

An einem anderen Tag holten sie gelbe Astern vom Blumenfeld und an einem weiteren rote Kürbisse. Alle ihre Schätze sammelten sie im Gruppenraum und wiederholten später die Farben – und verknüpften Bild, Farbe und Sprache, wenn zum Beispiel Lidia bat: „Me das la calabaza, por favor.“ (Gibt mir bitte den Kürbis)

deutsch-spanisch-ausflug-elternkommunikation
deutsch-spanisch-aepfel-farbe-elternkommunikation
deutsch-spanisch-farbe-blumenbeet-elternkommunikation
deutsch-spanischfarbe-kruerbis-elternkommunikation
deutsch-spanisch-farbe-auf-dem-tisch-elternkommunikation

Im Einführungselternabend zum neuen Krippenjahr stellte das Team der deutsch spanische Krippe anhand des Farbprojekts die Umsetzung ihrer pädagogischen Arbeit vor: Auf dem Projektor zeigten sie die Bilder der vergangenen Erlebnisse und erzählten, wie die Kinder immer mehr mit den neuen Begriffen und Wörtern spielten und sie in den täglichen Ablauf einbauten. Damit sich die  Eltern auch in die Welt ihrer Kinder hineinversetzen können, berichteten die Pädagogen detailliert, warum und wozu sie die Projekte gestaltet hatten.

spanisches-liedLoann Lamping sagt: Um Elternabende grundsätzlich interaktiv zu halten, singen wir auch neue Lieder zusammen mit den Eltern und machen ihnen die Welt ihrer Kinder noch transparenter.“ Gemeinsam stimmten sie also die spanischen Kinderlieder zum Thema Farbe an, inklusive Klatschen – was allen sehr viel Spaß machte. Jetzt lernten die Eltern, was ihre Kinder bereits morgens vor sich hinsummten oder bald summen werden. Loann Lamping berichtet: „Eine Mutter meinte zu mir, es sei ein wenig gewesen, als hätte sie hospitiert. Sie könne sich jetzt richtig gut vorstellen, wie der Alltag für ihr Kind ablaufe.“ Diese Möglichkeit der Elternpartnerschaft sei für die Eltern sehr wichtig und dem ganzen Team mache es Freude, den Eltern die pädagogische Arbeit näher zu bringen.