Kindergarten Garching: Schulhüpfer als Naturhüter

 Kindergarten Garching: Schulhüpfer als Naturhüter

Kinderkrippe Kindergarten Garching Tulpe Pflanzen

Bei allen pädagogischen Aktivitäten weisen wir darauf hin, welche Bildungsbereiche die ErzieherInnen mit den Kindern dabei ansprechen und welche Basiskompetenzen die Kinder dabei ausbauen. Das Beispiel Garching „Schulhüpfer als Naturhüter“ zeigt, dass mit einem Projekt sehr sehr viele Bildungsbereiche abgedeckt werden können, wie Naturwissenschaften, Ästhetik, Sprache und Emotionalität. Wie das funktioniert? Indem das Projekt einen weiten Bogen spannt und sich stets weiterentwickelt:

Petra Thomas, Erzieherin im Kindergarten Garching, startete im Herbst vergangenen Jahres mit den Schulhüpfern (fünf bis sechs Jahre aus verschiedenen Kindergartengruppen) das Projekt „Naturhüter“. Die erste Fragestellung lautete: „Welche Pflanzen gehen bei Frost nicht kaputt?“ Die Kinder betrachteten die Bäume im Garten, die den Winter unbeschadet überstehen. Gemeinsam fuhren sie dann in die Stadtbücherei, liehen Bücher aus und befassten sich mit Blumen und Blumenzwiebeln. Hier lernten sie nicht nur etwas zum Thema (Naturwissenschaften) Blumen und Kreislauf der Natur, sondern machten sich auch ganz nebenbei vertraut mit Alltagssituationen wie U-Bahnfahren und Buchausleihe (Autonomieerfahrung und Regelverhalten).

In Gesprächsrunden und Diskussionen entschieden sie gemeinsam: „Was wollen wir im Herbst pflanzen – was soll im Frühjahr blühen?“ Die nächste Frage lautete: „Wie soll das Beet aussehen? Wo kommen die roten Blumen hin und wo die blauen.“ Hier ging es also um die Themen Ästhetik, Festigung des Wissens und Kategoriebildung als Vorläuferkompetenz für Mathematik sowie Partizipation, denn die Kinder sind die Entscheidungsträger und Entscheider des Projekts. Und dann gings an die praktische Gartenarbeit und die haptische Erfahrung:

Kinderkrippe Kindergarten Garching Tulpen1

Gemeinsam sortierten sie die Tulpen …

Kinderkrippe Kindergarten Garching Tulpen pflanzen

… gruben die Erde in den Hochbeeten um und machten kleine Löcher in den Erdboden.

Kinderkrippe Kindergarten Garching Gartenbepflanzen

Was da alles zutage kam: Regenwürmer, Engerlige und Maden. Teils gut für die Erde, die Blumenzwiebeln, die darin wachsen und die Wurzeln. Teils schädlich. Geekelt hat sich keines der Kinder vor den Tierchen.

 

Kindergarten Garching Garten

Fasziniert erforschten die Kinder das Erdreich und seine Bewohner. Dann steckten sie in jedes Löchlein eine Zwiebel und warteten gespannt auf das Frühjahr.

Die Spannung war groß. Mit jedem Tag, den es wärmer wurde, liefen die Kinder zu den Beeten: „Ist da was? Regt sich schon etwas?“ Petra Thomas erinnert sich: „Besonders montags war die Überraschung groß, wenn auf einmal die grünen Blätter schon aus dem Schnee ragten.“ Sie beschäftigten sich mit den Begriffen „Zeit“ und „lang“. Und dann, im April, zeigten sich die Blumen in ihrer vollen Pracht. In der Mitte die dunkelroten Tulpen. Dann ein Kreis mit lila Traubenhyazinten (das ästhetische Konzept ging auf und es zeigte sich ein schönes Bild.) Und damit geht das Projekt nun weiter:

Kinderkrippe Kindergarten Garching Tulpen

Jede Blume braucht Pflege: Wasser und Schutz vor Insekten und Unkraut.

Kinderkrippe Kindergarten Garching Tulpe Pflanzen

Die Fragestellung war also: „Wie erkenne ich Unkraut? Wie viel Wasser braucht die Tulpe?“

Kinderkrippe Kindergarten Garching Garten

Damit lernen die Kinder Verantwortungsbewusstsein und den behutsamen Umgang mit der Natur.

Doch damit nicht genug. Die weißen Tulpen nutzen die Schulhüpfer für einweiteres Projekt: Abgeschnitten und eine Vase mit gefärbtem Wasser gesteckt, färbten sich nach einiger Zeit auch die weißen Blütenblätter. „Damit lernten die Kinder, dass die Tulpe Wasser trinkt und braucht“, erklärt Petra Thomas. „Die Kinder verstehen die Veränderungen der Natur, indem sie sie jeden Tag beobachten.“

Das Thema „Natur und Garten“ greift Petra Thomas seit vergangenem Herbst immer wieder auf: „Mal besprechen wir den Zustand der Blumen im Morgenkreis, an einem Tag falten wir Blüten aus Papier oder wir graben Traubenhyazinthen aus und betrachten ihre Wurzeln“, erzählt Petra Thomas. „Außerdem“, so Thomas weiter, „haben die Kinder an einem Tag die Hyzinthen mit Wattestäbchen gemalt und trainierten so die Feinmotorik und und schulten ihre Fähigkeit Formen zu erkennen.“ Petra Thomas ist von der gemeinsame Entdeckungs- und Phantasiereise mit den Kindern in der Natur jeden Tag aufs neue begeistert: „Da kommt so viel raus. Die Kinder sind explorativ und lassen ihren Sinnen freien Lauf. So schnupperten alle an den Hyazinthen und ein Kind meinte ‚die riechen lila‘.

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Selbst die Krippenkinder kommen zu den Beeten und streicheln die Pfanzen sachte. Hier üben sie ihre Impulskontrolle und reißen die Pflanze nicht ab, sondern hegen sie.

 

Aktuell bereiten Erzieherin und Kinder die Beete für die nächste Runde vor: „Omas und Opas bringen Tütchen mit Samen mit für essbare Blüten“, so Thomas. „Die werden wir gemeinsam mit Zucchini und Paprika säen.“ Die Eltern seien immer sehr begeistert, dass die Kinder auf einmal Gemüse essen, denn das selbst gezogene schmecke auf einmal sehr gut. Auch zuhause.

Als Blumengärtner waren die Garchinger Schulhüpfer bereits sehr erfolgreich. Jetzt drücke wir ihnen für die Gemüseernte die Daumen!