Kindergarten Parkstadt-Schwabing: Identität

 Identität und Interkulturelle Kommunikation im Kindergarten

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Was passiert, wenn Kinder verschiedener Nationalitäten und Länder aufeinander treffen? Sie werden neugierig! Und sie fragen nach: Woher kommst Du? Sie suchen nach der Identität der anderen. So, wie auch die Kinder sich damit beschäftigen, ihre Rolle zu finden, in der Gruppe, im Kindergarten und in Deutschland. Wobei jedes Kind individuell agiert.

Im Kindergarten der Parkstadt-Schwabing lernen sich in der neuen Roten Gruppe (existiert seit Januar) der Erzieherin Stephanie Mandl Kinder mit folgenden Muttersprachen immer besser kennen. Sie sprechen Hindi, Ungarisch, Deutsch, Chinesisch, Türkisch, Portugiesisch, Persisch (Farsi), Englisch, Koreanisch.

Und sobald sie den Grundwortschatz der gemeinsamen Sprache Deutsch gelernt hatten, was laut Stephanie Mandl auch für sie überraschend schnell ging, stellten die Kinder fest: Wenn die Mama oder der Papa die Kinder abholen, sprechen sie ganz anders miteinander. Stephanie Mandl griff die Fragen und das Interesse der Kinder auf und stellt in den kommenden Wochen die Identität der Kinder in den Vordergrund. Sie konnten sich nun also miteinander verständigen, diese Verständigung wollte die Erzieherin jetzt auf Wertschätzung ausweiten.

Zunächst widmen sie sich dem Thema Sprache & Schriftzeichen

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„Ich hatte mir überlegt, wie wir eigentlich jeden Tag beginnen und das ist mit der Begrüßung jedes Kindes. Also habe einfach allen Eltern ein Blatt Papier und einen Edding in die Hand gedrückt und sie gebeten das Wort ‚Hallo‘ aufzuschreiben. Diese Blätter habe ich gemeinsam mit den Kindern laminiert und dann konnte es auch schon losgehen.“

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Im Morgenkreis startete die Gruppe mit dem ungarischen Wort. Nachdem die Erzieherin das ungarische „Hallo“ in die Mitte gelegt hatte, begrüßte das Kindergartenkind Norbert alle in seiner Muttersprache Ungarisch: „Szia“.

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Alle sprachen das Wort nach und lernten, dass „Szia“ das ungarische Wort für „Hallo“ ist. Er klebte die Karte mit seinem Namen unter das ungarische Wort. Er identizifiert sich mit dieser Sprache und ist stolz darauf.

Am folgenden Tag stand dann Hawoul im Mittelpunkt. In der Mitte lag die koreanische Version für „Hallo“. In den Schriftzeichen erkannten die Kinder geometrische Figuren wie Kreise, Striche und sogar auf dem Kopf stehende Häuser.

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Hawoul erklärte den staunenden Kindern: „Nein, das sind keine Häuser. So schreiben alle in Korea.“ Und aus dem Staunen wurde erstauntes und bewunderndes Lachen. Vor allem dann, als sie versuchten das koreanische Wort nachzusprechen. Das koreanische Kind war nun nicht mehr der, der schlechter deutsch sprach, als die deutschen Kinder, sondern der, der am besten Koreanisch sprechen konnte.

Die Kinder waren sehr beeindruckt, dass nicht einmal die Erzieherinnen die koreanischen Laute nachsprechen konnten, sondern nur Hawoul.

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Stephanie Mandl erklärt: „So wurde jedes Kind wertgeschätzt. Wobei, so schwer wie bei dem koreanischen Wort war es nie wieder!“

Partizipation der Kinder gibt vor, wie es weitergeht

Nach der Wortvorstellung im Morgenkreis hatte Mandl jeweils den Namen des Kindes auf das laminierte Papier geschrieben – bis jedes Kind – auch die deutschen – ihren Namen auf einem Papier mit dem Wort „Hallo“ in ihrer Muttersprache wiederfanden.

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Im nächsten Schritt war erneut die Partizipation der Kinder gefragt: „Wo sollen die Wörter aufgehängt werden?“ Prompt waren sich die Kinder einig: „Beim Maltisch“.

Stephanie Mandl erzählt: „Ich war ganz überrascht, wie schnell dann alles ging. Wir haben dort gar nicht so viel Platz – aber sobald die Wörter hingen, standen, saßen und lagen die Kinder davor und pausten ab, malten die Buchstaben nach und imitierten die Formen.“

Außerdem wünschten sich die Kinder, dass jeder immer wieder individuell mit SEINEM Wort, also mit „Szia“, „Merhaba“, „Hello“ und Co. begrüßt wurde. So wurden die Kinder auf unterschiedliche Betonungen und Lautbildungen aufmerksam.

Sie trainierten dabei ihre Mund- und Zungenmotorik und damit eine deutlichere Aussprache. Das gelang natürlich nur durch erhöhte Aufmerksamkeit und genaues Zuhören. „Die lauschenden Kinder waren total fasziniert von den anderen Sprachen“, so Stephanie Mandl, „da war es muksmäuschenstill! Und umgekehrt waren die jeweils sprechenden Kinder total stolz, dass ihre Sprache geschätzt wurde. Und auch ihre sprachligen Fähigkeiten gewürdigt. Damit wurde auch ihre Kultur, die dahinter steht positiv wahrgenommen, was wichtig ist für die Identitätsentwicklung. “

Lernen mit allen Sinnen: Rhythmus, Geschmack, Farben

Aber nicht nur die Sprache der Kinder ist unterschiedlich und damit eine Bereicherung und Herausforderung. Vor kurzem kehrte Hawoul aus einem Koreaurlaub zurück und die anderen Kinder löcherten ihn mit Fragen: „Wie schaut es dort aus? Gibt es die gleichen Bäume wie hier? Sehen die Straßen genau so aus?“. Wenige Tage später hatte ein chinesisches Kind ein traditionelles Wickelkleid an. Die übrigen Kinder wollten es anfassen und bestaunten das ungewöhnliche Kleid. Das Mädchen freute sich sehr über die Aufmerksamkeit.

Stephanie Mandl leitet daraus nun den Fortgang des Projekts ab: „Wir werden uns jetzt peu à peu weiteren Bereichen der Identität widmen. Vielleicht haben die anderen Kinder ebenfalls traditionelle Kleider zuhause, die sie uns vorstellen wollen. Außerdem sind die Eltern sehr offen, sich zu beteiligen und werden sicher mal Kostproben an Speisen aus Persien, der Türkei, Indien oder Korea mitbringen. Am meisten aber freue ich mich auf Kinderlieder anderer Länder. Da bin ich selbst ganz gespannt!“ Mit dem bekannten Lied „A ram sam sam, a ram sam sam“ sind die Kinder schon sehr international – stammt es doch aus Marokko und wird länderübergreifend in  Holland, Deutschland, Österreich und vielen englisch sprachigen Ländern gesungen.“ Fortsetzung folgt!