Kinderkrippe Trudering: Selbstwahrnehmung

Erfahrungen, die Kinder in ihrer Körperwahrnehmung stützen und stärken

Kinderkrippe Trudering Farbe spueren

Das pädagogische Konzept der Wichtel Akademie stellt das Kind ins Zentrum – daher lautet die Grundüberlegung jedes Erziehers oder jeder Erzieherin: Was braucht das Kind? In diesem Fall hat Laura Eschenbach, Erzieherin im Anerkennungsjahr bei der Wichtel Akademie Trudering, die Kinder beobachtet und festgestellt, dass sie teilweise schwer zur Ruhe kommen. „Die Kinder waren im Schlafraum sehr unruhig, wollten ihren Körper spüren und hatten darum das Bedürfnis, herumzulaufen oder sich in den Betten zu wälzen. Darum habe ich mir ein Projekt überlegt, das die Kindern in ihrer Selbstwahrnehmung unterstützt.“

Das Projekt teilte sich auf in acht Phasen mit zahlreichen Entspannungseinheiten. Zunächst wartete Laura Eschenbach auf einen sonnigen Tag, setzte sich mit den älteren Kindern (ab zwei Jahre) an das große Fenster und erzählte ihnen die von ihr erdachte Geschichte vom kleinen Sonnenstrahl, der auf die Erde reiste. Dort angekommen, wärmt er jedes Körperteil der Kinder einzeln – die Füße, den Bauch, die Arme. Die Kinder hielten während der Geschichte jeweils ihre Füßchen, Ärmchen oder den Bauch in die Sonne und nahmen die Wärme wahr. Und dann rieben sie ihre Hände aneinander und wärmten sich gegenseitig den Rücken. Die gegenseitige Berührung war dabei für die Kleinen sehr positiv.

Verschiedene Materialien spüren – und entscheiden, ob die Berührung angenehm ist

Bei der nächsten Erfahrung der Kinder ging es ums Spüren von weichem Material und die Selbstwirksamkeit dabei, in diesem Fall also Malen mit Rasierschaum. Die Erzieherin teilte die Gruppe in Kleingruppen auf und jeweils vier Kinder verwandelten den großen Badezimmerspiegel in ihre Leinwand. Dabei nahmen sie wahr, wie sie den Schaum zerdrücken, wie weich er sich anfühlt und welche Spuren sie damit hinterlassen.

In der nächsten Einheit, die, wie die andere auch, zwei Mal wiederholt wurde, konzentrierten sich die Kinder wieder ganz auf ihren eigenen Körper: Was passiert, wenn eine Feder ihre Füße, ihr Gesicht oder die Hände berührt? Laura Eschenbach ermunterte sie (selbstwirksam) zu entscheiden und zu sagen, wo sie gerne von der Feder berührt werden, und wo es unangenehm oder zu kitzlig ist. Die Kinder wollten dann vor allem an Stellen berührt werden, die sie selbst erreichen konnten: also zum Beispiel an den Händen und an den Beinen. Laura Eschenbach berichtet: „Ich hatte dabei bewusst eine Feder ausgewählt, weil die Kids die Federn sonst nur vom Basteln kennen. Also etwas, das wir benutzen für Königinnenkronen – aber nicht als etwas, das kitzelt oder streichelt.“ Beim ersten Mal seien einige noch zurückhaltend gewesen, erinnert sich Laura Eschenbach. „Beim zweiten Mal hatten sie bereits mehr Sicherheit, um auszuprobieren, was sie mögen und was nicht.“Milly Kuscheltier als Beruehrungsmittler Kinderkrippe

 

Molly, die Kuscheltier-Giraffe, war von Anfang an die Begleiterin von Laura Eschenbach. Und als die Kinder sich beim nächsten Mal auf Yogamatten legten und mit den vorbereiteten Decken zudeckten, diente das Kuscheltier als Mittler der Berührung: Wo darf Molly Dich streicheln? Was soll Molly jetzt tun?

Sobald das Wetter es wieder erlaubte, ging Laura Eschenbach mit den Kleingruppen in den Sandkasten. „Die Kinder sind natürlich jeden Tag mehrfach draußen – aber jetzt ging es ja darum, aufmerksam das Material wahrzunehmen. In der kleinen Gruppe mit jedem Kind einzeln zu sprechen und nachzufragen, wie sich der Matsch und der Sand anfühlt,  und es auf Körner und Steinchen aufmerksam zu machen.“

„Ihr könnt Euren Atem sehen, fühlen und hören“

Im Gegensatz zu diesen rauen Materialien stand dann beim nächsten Mal die Pinselmassage – die die Kinder mit der Feder und Molly verglichen … wieder konzentrierten sie sich genussvoll auf ihre Selbstwahrnehmung – und fühlten in sich hinein.

Bei der Atmungsübung schlossen dann die ganz Mutigen sogar die Augen, um sich besser auf sich selbst zu konzentrieren. Jedes Kind hatte bei dieser Übung sein Kuscheltier auf dem Bauch (Molly hatte auf Laura Platz genommen), lauschte auf seinen Atem und spürte, wie sich Kuschel-bär, -giraffe und -hund auf und ab bewegten.

Auf diese vorhergegangenen Erfahrungen baute dann das etwas aufwändigere Erlebnis mit den Fingerfarben auf:

Nach dem Farbenfingerspiel im Morgenkreis (dieses Mal haben die Kleinen mitgemacht oder zumindest begeistert zugehört) ging es zunächst für Vincent, Olivia und Amelia in das Kurzzeit-Atelier. Aus dem eigentlichen Schlafraum hatte Laura Eschenbach mit Hilfe von Papierleinwänden und Abdeckfolie einen Künstlerraum geschaffen. Die Farbe wartete auf Papptellern darauf, von den Kindern entdeckt zu werden. Nachdem die Kinder sich im Bad bis auf den Body ausgezogen hatten, staunten sie beim Betreten des Schlafraumes sehr: „Wo sind alle Betten?“, fragten sie mit weit aufgerissenen Augen. Erst als Laura Eschenbach die Modellfunktion übernahm und mit der Hand und dann sogar mit dem Fuß in die Farbe tappte, trauten sich die Kinder auch.

Zunächst zögerlich:

Trudering Farbspiel Kinderkrippe

Hinterließen die Kinder bald schon Spuren …

Krippenkinder hinterlassen spuren Kinderkrippe

Und schon verwandelte sich der Raum in ein Farbenmeer:

Selbstwahrnehmung Trudering Kinderkrippe

„Die Krippenkinder kannten zwar die Fingerfarben, aber nun hatten sie zum ersten Mal die Möglichkeit, ihren ganzen Körper zu nutzen“, berichtet Laura Eschenbach. Dabei reflektierten sie auch die Wahrnehmungen, was sie zuvor bereits gemacht hatten. So sagte Vincent: „Das ist so wie der Rasierschaum. Nur dicker“.

Trudering Farbe mischen Kinderkrippe

Da momentan in der Krippengruppe die „Meins-Phase“ herrscht, kam bald schon das „Das ist meine Farbe“-Momentum. Da die Auswahl jedoch groß war, hatte bald schon jeder seine Lieblingsfarbe auserkoren. Olivia entschied sich zum Beispiel für Pink und stellte fest: „Auf meiner Haut leuchtet die Farbe viel mehr als auf Deiner.“

Trudering Lieblingsfarbe entdecken

Nachdem die Erzieherin die Pappteller dann auch im Raum verteilte und damit die Kinder ermutigte, den gesamten Raum zu nutzen und für sich einzunehmen, war Amelia die Erste, die die Farben mischte. Vincent stellte schließlich fest: „Ich habe alle Farben auf der Hand.“

Trudering Farbe spueren Kinderkrippe

Molly war natürlich auch die ganze Zeit dabei und nach vorsichtiger Nachfrage – erhielt auch Molly einen Klecks auf die Nase.

Milly Kuscheltier als Beruehrungsmittler Kinderkrippe

Beim abschließenden Großreinemachen im Bad wuschen sich die Kids gegenseitig ab. Nach der Selbstwirksamkeit des Malens, kam nun das „Farbe im Ausguss verschwinden lassen“ dran.

Das Resultat dieser zahlreichen Erfahrungen war sowohl für Laura als auch für ihre KollegInnen ein „Wow-Effekt“: „Die Krippenkinder haben nicht nur ihre Selbstwahrnehmung gestärkt. Auch ihre soziale Kompetenz (Anm. d. Red: Basiskompetenz) ist in der Zeit von Ende März bis Ende April enorm gewachsen. Wir merken das daran, dass die Kinder länger und intensiver miteinander spielen – vor allem in den Kleingruppen, die wir für das Projekt gebildet hatten.“

Krippenkinder auf Erfahrungsreise

Und besonders die Schlafsituation hat sich für ErzieherInnen und Kinder entspannt! Laura Eschenbach sagt: „Die Zweijährigen streicheln sich nun selbst am Arm, wenn sie sich spüren wollen. Oder schnappen sich eine Decke und kuscheln sich ein, wie wir es in den Entspannungsübungen gemacht haben und lauschen auf ihren Atem.“

Für Laura Eschenbach und die Gruppe geht die gemeinsame Erfahrungsreise natürlich weiter. Gemeinsam mit den Eltern will sie weiter dem nachgehen, was die Kinder brauchen, um sich und ihren Körper kennenzulernen. „Ich bin immer gespannt, wie jedes Kind individuell auf etwas Neues reagiert.“ Den Eltern hat sie von der momentanen Vorliebe der Kids für Pizzamassage berichtet – aber bald schon wird es sicher etwas Neues sein, was die Kinder kennen- und lieben lernen.