Kita Trudering: Entwicklungssprünge von Kinderkrippe zu Kindergarten

Entwicklungssprünge: Daniela Dreyer über die Entwicklung vom Krippen-  zum Kindergartenkind

Kindergarten DynamikDie Entwicklungsschritte der Kinder von Kinderkrippe zu Kindergarten sind riesig. Daniela Dreyer, Leiterin der Kita Trudering der Wichtel Akademie München beobachtet diese Veränderung zur Zeit sehr genau. Die Kita Trudering hat erst im Herbst 2014 zu den sechs Kinderkrippengruppen drei Kindergartengruppen hinzubekommen.

Was hat sich seit dem Start des Kindergartens in der Kita Trudering verändert?

Daniela DreyerDaniela Dreyer sagt: „Mich überrascht, wie schnell die Kinder den Wandel vollziehen. Eben waren die Kindchen noch im behüteten Nest der Kinderkrippe und kaum sind die Zwerge im Kindergarten, sind aus ihnen große Kinder geworden.“ Insgesamt sei es eine positive Herausforderung für alle, mit mehr Dynamik klar zu kommen.

Gibt es jetzt mehr Interaktion zwischen den Kindern?

„Die Energie und damit auch das Konfliktpotential ist in unserer Kita immens gestiegen“, verrät Daniela Dreyer. „weil die Peer-Group immer wichtiger wird.“ Während die Kinder zwischen einem halben Jahr und drei Jahren Entwicklungsaufgaben wie Schmecken oder Sprechen bewältigten und sich ihre Selbstständigkeit wie selbst anziehen oder alleine erziehen erarbeiteten, stärkten die Kindergartenkinder die Ausprägung ihres sozialen Verhaltens. „

Zum einen ist es super, dass sich die Kinder auf einmal gegenseitig zurechtweisen und die Kontrolle innerhalb der Gruppe sich schnell ausprägt,“ sagt Daniela Dreyer. „So was wie ‚hey, wir füllen uns doch das Glas nur zur Hälfte auf‘, hören wir im Kindergarten oft“, fügt sie an. Auf der anderen Seite seien die ErzieherInnen laut Dreyer im Kindergarten noch viel konsequenter als in der Kinderkrippe. Im Alter zwischen drei und sechs Jahren bildeten sich die Persönlichkeiten der Kinder stärker aus und sie versuchten nun Schlupflöcher zu finden. „Darum handeln wir nun stets liebevoll, aber konsequent“, ergänzt sie lächelnd. „Wenn sich die Kids nicht an eine Abmachung halten, wie zum Beispiel bei einem Ausflug immer vorauslaufen, dann erkläre ich die Konsequenz ‚Ich werde Dich an die Hand nehmen, wenn Du Dich nicht an unsere Verabredung hältst‘. Und das mache ich dann eben auch.“

RollenspielSpielt es im Kindergarten denn eine Rolle wie viele Jungs und Mädels in einer Gruppe sind?

„Im Kindergarten laufen alle Handlungen nun häufige im sozialen Kontext ab“, erklärt Daniela Dreyer. Wohingegen sich die Kinder in der Kinderkrippe den Ausprägungen ihrer körperlichen Funktionen widmeten, wie Sauberkeitsentwicklung, laufen- , klettern-  oder balancieren, ihre Körperwahrnehmung (wo ist mein Fuß, was ist mein Ohr) und ihre Autonomie entwickeln, indem sie zum Beispiel selbst Nahrung aufnehmen. Im Kindergarten dagegen sei der Vergleich mit den anderen nun der Schlüssel, um sich selbst einzuordnen.

Daniela Dreyer sagt: „Die Kinder messen sich, testen, wer schneller laufen kann und wer stärker ist.“ Überlegend fügt sie an: „In den gleichen Entwicklungsphasen stecken sie sich gegenseitig in ihrem Verhalten und ihrer Entwicklung an. Und ähnlich verhält es sich mit den Geschlechterrollen.“ Bis zum fünften Lebensjahr präge sich der Geschlechterunterschied beziehungsweise die Geschlechterrolle aus.

Daniela Dreyer erzählt aus Trudering: „Die Mädels legen sich im Kindergarten nicht fest auf eine beste Freundin. Das kann heute die sein und morgen eine andere. Mal sind sie zu dritt mal zu zweit. Die Jungs dagegen bilden gleich Gruppen.“ Sie lacht. „Wie eine kleine Bande laufen die Jungs hier rum. So fordern sich die Jungs im Kindergarten gegenseitig.“ Da in Trudering etwas mehr Jungs im Kindergarten seien als Mädchen, sei das für die ErzieherInnen teilweise eine Herausforderung. „Das ist gefühlt sehr viel Energie, die die Jungs einsetzen und einfordern“, so Daniela Dreyer.

 Warum spielen die Krippenkinder nicht Rollenspiele wie „Vater-Mutter-Kind“?

„Wir wussten es ja – aber nun beobachten wir es ja tagtäglich, dass die Spiele im Kindergarten wesentlich komplexer sind als in der Krippe“, berichtet Daniela Dreyer. Während die jüngeren Kinder in der Krippe Handlungen nebeneinander ausüben, kommt es im Kindergarten zum Rollenspiel, wie eben „Vater-Mutter-Kind“. Die sogenannte magische Phase beginnt mit dem dritten Lebensjahr. „Bei uns wird auf einmal aus der Küchenzeile und dem Kochlöffel ein Piratenschiff“, lacht Daniela Dreyer. „Die Decke ist ein Prinzessinnengewand und in der Höhle unter dem Tisch liegt der Schatz – und die Kinder spielen dort ungestört.“ Andere, die noch nicht ganz in der magischen Phase sind, würden mitgerissen. Im Rollenspiel bildeten die Kinder unter anderem ihre  Kognitionsentwicklung aus. Insgesamt benötigten die Kinder im Kindergarten viel Platz und unterschiedliche Räume, damit sie ihre Spiele alleine unter sich verwirklichen können.

Kindergarten dynamikDie Vorteile eine Kindergarten im gleichen Haus wie eine Kita zu haben …?

„… sind groß“, beantwortet Daniela Dreyer die Frage. Früher seien die Übergänge der Kinder in den Kindergarten viel komplizierter gewesen. Heute hätten die Krippenkinder durch unsere vorbereiteten hauseigenen Übergänge bereits vorher vielfältige Kontakte zu den Älteren. Sie besuchten die Gruppen vorab und feierten gemeinsame Feste. Es sei so viel einfacher, wenn die Kollegen sich kennen und die Eltern die anderen ErzieherInnen bereits gesehen oder kennengelernt hätten.

„Momentan“, so Dreyer, „begleite ich die Übergänge in den Kindergarten. Da bekommt jedes Kind einen eigenen Umzugskarton mit seinem Schlafanzug, seinen Hausschuhen und seinem Schlafbegleiter und wir gehen ins andere Haus. Das ist jetzt eher wie ein lustiger Ausflug und kein trauriger Abschied mehr.“ Nur für die Kollegen sei es weiterhin sehr emotional die Kinder gehen zu lassen, aber die sähen die Kinder ja weiter im gemeinsamen Garten der Wichtel Akademie. Abschließend fügt Daniel Dreyer hinzu: „Vor allem für Eltern war es früher schwieriger – heute besteht das Vertrauen in die Kita ja bereits und muss nicht im Kindergarten neu aufgebaut werden.“