Eingewöhnung in die Kinderkrippe oder den Kindergarten

Während der Eingewöhnungszeit  in eine Kinderkrippe oder einen Kindergarten vollbringen Kinder und Eltern eine enorme Leistung: Anpassungsleistung der Kinder versus Ablöseprozess der Eltern. Es ist meist die erste Trennungserfahrung der Kinder. So braucht das kleine Kind Zeit, sich an die neue Umgebung anzupassen und eine Beziehung zu den zunächst fremden Kindern und Erwachsenen aufzubauen. Nicht nur die Eingewöhnung der Kinder in die Krippe sondern auch die Eingewöhnung in den Kindergarten ist daher gleich wichtig und muss dementsprechend gut vorbereitet und durchgeführt werden.

Eingewoehnung Wichtel Akademie München

In unserem Eingewöhnungsmodell, dem „Münchener Modell“, orientieren wir uns an den Studienergebnissen von Prof. Kuno Beller, der das „Berliner Modell“ weiterentwickelt hat, so dass das „Münchener Modell“ nun fünf Phasen der Eingewöhnung beschreibt:

Die Eingewöhnung findet ca. vier Wochen vor Eintritt in die Einrichtung statt und wird von der pädagogischen Bezugsperson aus der Einrichtung durchgeführt. Hier besprechen wir den zeitlichen Ablauf und die Gestaltung der Eingewöhnung.

– Eingewöhnung vorbereiten
– Grundphase und Kennenlernen mit Begleitung der Eltern
– Vertrauen aufbauen und stabilisieren
– Erste Trennung
– Schlussphase (Auswertung & Reflexion)

Anhand dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse, verbunden mit unserer umfangreichen eigenen Erfahrung, planen wir die Eingewöhnung gemeinsam mit Ihnen. Dafür sprechen wir im Vorfeld über die Eigenheiten und Gewohnheiten Ihres Kindes. Zusammen stellen wir dann sicher, dass die Bedürfnisse aller Beteiligten (des Neuankömmlings, der Eltern, der anderen Kinder und auch des Teams) berücksichtigt werden und die Eingewöhnungsphase für Ihren Liebling zu einer positiven Erfahrung wird. Der Ablauf der Eingewöhnung wirkt sich auf die Gehirnentwicklung des Kleinkindes aus. Ein sanfter Übergang in unsere Einrichtung erspart dem Kind Stress, der zur einer Überempfindlichkeit und im späteren Leben zu einer höheren Anfälligkeit von Stresskrankheiten führen kann.

Die Dauer der Eingewöhnung beträgt meist zwei bis vier Wochen, sie kann aber von Familie zu Familie sehr unterschiedlich sein und wird daher stets individuell abgestimmt. Es ist uns wichtig, dass das Kind gern und angstfrei die Kindertagesstätte besucht und sich in der neuen Umgebung wohlfühlt.

Feedback der Eltern zur Eingewöhnung des Kindes: wird ca. vier Wochen nach der Eingewöhnung des Kindes von den Eltern ausgefüllt und dient zusammen mit dem „Beobachtungsbogen zur Eingewöhnung“ als Grundlage für das Eingewöhnungsabschlussgespräch (wird den Eltern von der pädagogischen Bezugsperson ausgehändigt).

Auch beim Wechsel von der Krippe in den Kindergartenbereich werden die Kinder individuell unterstützt und von ihrer Bezugsperson begleitet.

Wichtig für die Eltern: Die Eingewöhnung ist sowohl für die Kinder als auch für die Eltern eine sehr anstrengende Zeit, psychisch und physisch. Beide erbringen eine enorme Anpassungsleistung. Es ist gut möglich, dass das Kind in den ersten Wochen sehr müde ist.

Eingewöhnung vorbereiten

In einem Erstgespräch geben wir den Eltern die Grundinformationen. Themen wie „Was kommt auf uns zu“, „Was müssen wir mitbringen“, „Nutzen der Eingewöhnung für das Kind“, werden nun besprochen.

Grundphase & Kennenlernen mit Begleitung der Eltern

Für Kinder in den ersten Lebensjahren ist es einfacher, fremden Personen zu begegnen und die neue Situation in der Krippe zu verarbeiten, wenn eine vertraute Person wie zum Beispiel Mama oder Papa anwesend sind.

In der mindestens vier bis sechs Wochen dauernden Grundphase bleiben die Kinder zusammen mit Mama oder Papa ein bis zwei Stunden in der Krippe – möglichst immer zur gleichen Uhrzeit. Die Eltern verhalten sich passiv und sind ein sicherer Rückzugsort. Außerdem übernehmen sie zunächst weiter das Wickeln und Füttern. Und auch die Erzieherin bedrängt das Kind nicht. Sie bleibt zunächst im Hintergrund und beobachtet in dieser Zeit das Kind, seine Bedürfnisse und Interessen. erst am zweiten oder dritten Tag versucht sie Interaktionen mit dem Kind zu initiieren. Das Kind soll den Raum selbst erobern. Die Anwesenheit der Eltern ist für das Kind in dieser Kennenlernphase unverzichtbar. Außerdem erhalten die Eltern so einen Einblich in den pädagogischen Alltag.

Wichtig für die Eltern: Die Eltern fungieren als „Tankstelle“ und reagieren auf ihr Kind. Sie spielen nicht mit anderen Kindern. Das Abschiedritual sollte jeden Tag gleich, zur gleichen Uhrzeit und zügig sein.

Vertrauen aufbauen und stabilisieren

Die Eingewöhnungsphase dient dazu, dass die Kita zu einer vertrauten Situation wird. Und die BezugspädagogIn eine intensive Beziehung zum Kind aufbaut – vor allem in Schlüsselsituationen wie Essen und Wickeln. Am Modell der anderen Kinder verstehen Kinder in der Eingewöhnung den Alltag in der Krippe. In den ersten sechs Sicherheitstagen sehen wir von einer Trennung ab. Auch der Mittagsschlaf in der Kita findet erst später statt.

Für eine erste Trennung müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Erst, wenn die Kinderkrippe keine fremde Situation mehr darstellt, können sich die Eltern verabschieden.
  • Die Eltern sind bereit für die Trennnung.
  • Die Eltern trauen dem Kind den Schritt zu.
  • Das Kind reagiert positiv auf die PädagogIn.
  • Interesse an Aktivitäten ist geweckt.
  • Das Kind beteiligt sich an der Pflegesituation.
  • Das Kind kann sich auf eine Tätigkeit konzentrieren.

Erste Trennung

Individuell auf das Kind abgestimmt, also erst wenn die genannten Kriterien erfüllt sind, verabschiedet sich das begleitende Elternteil nach ein paar Minuten vom Kind und verlässt den Raum, bleibt aber in der Einrichtung. Der/Die ErzieherIn nimmt das Kind auf den Arm. Sofern das Kind relativ friedlich reagiert, kann diese Trennung auf 30 Minuten ausgedehnt werden.

Weinen ist jetzt normal, denn jetzt sind starke Gefühle involviert. Da das Selbstregulationssystem im Gehirn noch nicht fertig entwickelt ist, können sich die Kinder meist noch nicht selbst beruhigen. Wenn es jedoch durch körperliche Zuwendung beruhigt wird, sinkt der Stresspegel wieder und Stressregulationssysteme im Gehirn werden angelegt, die im späteren Leben helfen, mit Stress gut umzugehen. Sollte das Kind verstört reagieren und sich nicht innerhalb von fünf Minuten von der pädagogischen Mitarbeiterin der Wichtel Akademie trösten lassen, kehrt Mama oder Papa zurück und verlassen gemeinsam mit ihrem Kind die Einrichtung. Die weitere Vorgehensweise ist abhängig von der Reaktion des Kindes

Individuell auf das Kind abgestimmt, jedoch frühestens aber am fünften Tag übernimmt die Erzieherin zunehmend die Versorgung des Kindes (Wickeln, Füttern, etc.). Mama oder Papa helfen nur, wenn das Kind die Erzieherin nicht akzeptiert. Nach einer kurzen Verabschiedung verlassen die Eltern den Raum, bleiben aber in der Nähe der Einrichtung. Die Trennung ist erfolgreich, wenn das Kind sich von der pädagogischen Bezugsperson trösten lässt und mit ihr kommuniziert. Sollte das Kind die Trennung nicht akzeptieren, warten wir mit weiteren Trennungsversuchen. In den ersten ein bis vier Trennungstagen sollte die Bezugsperson noch in der Einrichtung anwesend sein, damit sie bei Bedarf in den Gruppenraum geholt werden kann; das Kind wird gleich geholt und verlässt zusammen mit der Bezugsperson die Einrichtung.

Schlussphase (Auswertung & Reflexion)

Die Eingewöhnung ist abgeschlossen, wenn das Kind die Erzieherin als sicheren Hafen akzeptiert. Es erkundet neugierig den Raum, interessiert sich für die anderen Kinder, isst gemeinsam mit ihnen und lässt sich von der ErzieherIn wickeln und zum Schlafen legen. Die Eltern halten sich nicht mehr in der Krippe auf, sind aber kurzfristig erreichbar. Das Kind kann zwar noch protestieren, wenn Mama oder Papa sich verabschieden, lässt sich dann aber von der Erzieherin schnell beruhigen.