Erzieherin Sabine Brust

Sabine Brust: „ErzieherInnen stillen Bedürfnisse, sie verwöhnen nicht“

Sabine Brust: „ErzieherInnen stillen Bedürfnisse, sie verwöhnen nicht“

 

Die gebürtige Fränkin Sabine Brust ist Erzieherin der Kita Trudering. An ihrer Arbeitsstelle ist sie nicht nur optisch ein Sonnenschein. Die Freude an der Arbeit als Erzieherin mit den Kindern ist ihr anzusehen und anzuhören. „Das war alles von Anfang an super“, „Erzieherin ist der schönste Beruf der Welt“, „Das sind Erlebnisse, die nimmt mir keiner“. Probleme mit ‚Trotzanfällen?‘ „Hab‘  ich selten,“, sagt sie, „man muss nur die Bedürfnisse der Kinder erkennen.“

Einige Eltern schütteln bei diesem Satz möglicherweise den Kopf. Als ob Eltern das nicht probieren würden? Was machen Erzieherinnen wie Sabine Brust anders? Eigentlich nichts. Eigentlich.

 Weinen darf sein, aber wenn so klein, nicht allein

Solange die Krippenkinder ihre Bedürfnisse nicht äußern können, ist dies für jeden Erwachsenen eine Herausforderung. Eine Mutter mit nur einem Kind hat natürlich aber mehr Aufmerksamkeit für das einzelne Kind, daher bedarf es bei zwölf Kindern des geschulten Auges einer Erzieherin, um täglich dem Einzelnen gerecht zu werden. Einen Anspruch den Sabine Brust an sich erhebt: „Wir stillen die Bedürfnisse der Kinder, dabei verwöhnen wir sie aber nicht, das ist ein Unterschied.“ Sie lacht. Ihre Strenge ist immer mit Sonnenschein gemischt.

Die Erzieherin achtet bei allen Handlungen immer auf Abläufe, Regeln und Grenzen, das hilft den Kindern in ihrer sozialen Orientierung. Denn die Kleinen testen gerade in der Kita ihre Grenzen. Sabine Brust erklärt: „Wenn ein Kind in der Autonomiephase bei mir anfängt zu schimpfen, dann gehe ich auf seine Höhe, gebe ihm Halt und gehe in Kontakt indem ich die Hand auf seine Schulter lege, ihm in die Auge schaue und vermittle Ruhe. Ich zeige ihm mit Geduld, dass wir gemeinsam seinen Frust aushalten und dann gemeinsam weitermachen.“

 Erklären ja, diskutieren nein

 Wobei sie dabei darauf achtet bei den Bedürfnissen des einzelnen Kindes die der Gruppe nicht zu vergessen. „Oft will ein Kind im Morgenkreis ein bestimmtes Lied zuerst singen. Ich frage dann die Gruppe, ob sie die Idee mögen und schlage vor, dass wir die Ordnung einhalten, dafür nur eine Strophe des alten Liedes singen und dann das Wunschlied länger. So sind alle eingebunden und lernen gleichzeitig einen Kompromiss kennen.“ Das heißt, die Erzieherin fragt nach, diskutiert nicht über die dann getroffene Entscheidung und hat ein Lernziel vor Augen. „Wir erklären, aber werfen keine Abläufe über den Haufen“, fügt Sabine Brust an.

Die Kinder testen alles aus und lernen durch die Erfahrung. „Beim Kuchen backen neulich erlebten die Kinder ihren Aha-Effekt als sie Mehl probierten und mir mit verzogenen Gesichtern erklärten, dass es gar nicht schmeckt.“

 Erzieher schenken Geborgenheit

 Ein Ausprobieren ist es auch umgekehrt, wenn die Kinder von Gewohnheiten ablassen, weil sie durch neues Lernen überlagert werden. Sabine Brust erzählt: „Einmal war eine Mutter während der Eingewöhnung überzeugt, ihr Kind bräuchte ein Fläschchen zum Einschlafen. Ich habe das Kind zum Einschlafen an der Schläfe gestreichelt und auch das hat geholfen.“ Lächelnd fügt sie an: „Das schöne ist, wenn Kinder sich geborgen fühlen, dann schlafen sie auch neben unruhigen, weinenden Kindern ein.“

Und auch wenn die Eingewöhnungszeit für Eltern, Kinder und Erzieher oft nicht leicht ist, so zeigt die folgende Bindung an die Erzieherin, dass sich die Mühe lohnt. „Beim kleinen Otto wurde mir als junge Erzieherin zum ersten Mal bewusst, welche Bedeutung ich für das Kind habe. Mit fünf Monaten weinte er, sobald ich den Raum verließ.“ Sie überlegt kurz und fügt an: „Das ist dann nicht mehr nur meine Arbeit, sondern eine persönliche Beziehung. Und Erziehung ist Beziehung.“ Mittlerweile ist es nicht nur der kleine Otto, der sie sehnsüchtig erwartet und sie stürmisch umarmt, wenn sie aus dem Urlaub kommt. Es freuen sich zahlreiche Kinder und Kollegen auf den Sonnenschein Sabine Brust.