Sprachliche Begleitung
Kleinkinder müssen Sprache hören, um sie zu lernen. Daher sollten im Krippen- und Kindergartenalltag alle Alltagssituationen sprachlich begleitet werden – das heißt, die pädagogischen Mitarbeiter:innen beschreiben fortlaufend, was gerade passiert, und benennen ihre Handlungen. Besonders geeignet sind hierfür Pflegesituationen wie Wickeln, Mahlzeiten oder An- und Ausziehen, weil hier die Eins-zu-eins-Interaktion intensiv ist. Die Fachkraft erklärt dem Kind Schritt für Schritt, was sie tut, und bezieht es mit ein.
So kann sie zum Beispiel sagen: „Jetzt ziehen wir deinen Pullover an – den schönen blauen Pullover. Erst steckt der linke Arm drin. Wo ist denn deine Hand versteckt? Ah, da ist sie!“ Durch solche begleitenden Kommentare wird das Kind aktiv einbezogen und ist geistig aufmerksam. Wenn das Kind in den Ablauf involviert ist (sei es durch Lachen, Laute oder Blicke), unterstützt das seine Sprachaufnahmebereitschaft. Diese professionelle sprachliche Begleitung stützt und trainiert die Sprachentwicklung, da das Kind Wörter und Satzstrukturen im passenden Kontext hört und nachahmen kann.
Merkmale effektiver sprachlicher Begleitung
- Ständiges Benennen: Im Tagesablauf werden Gegenstände, Personen und Handlungen kontinuierlich benannt. Durch dieses Verbalisieren verknüpft das Kind Worte mit Bedeutungen und baut seinen Wortschatz aus.
Einfache Sprache: Die Sätze sollten kurz und klar sein, mit Betonung auf Schlüsselwörtern. Eine deutliche Aussprache und gelegentliche Wiederholungen helfen dem Kind, neue Wörter zu verarbeiten. Beispielsweise kann man Begriffe immer wieder aufgreifen („das blaue Auto“, „die blaue Tasse“), damit das Kind sie verinnerlicht.
- Dialogische Haltung: Auch wenn das Kind selbst noch nicht spricht, sollte man Gesprächspausen lassen und auf seine Reaktionen eingehen. Blickkontakt, Lächeln und das Warten auf Laute oder Gesten signalisieren dem Kind: „Ich höre dir zu.“ Sobald es reagiert, antwortet die Fachkraft wiederum. Dieses Hin-und-her ist der Beginn eines Dialogs und ermutigt das Kind, sich mitzuteilen.
Wichtig ist zudem, dass sprachliche Begleitung im gesamten Alltag stattfindet – nicht nur in geplanten „Sprachangeboten“. Ob beim Spielen, Aufräumen oder Spaziergang: Je mehr Sprache ein Kind in verschiedenen Situationen hört, desto besser entwickelt es sein Sprachverständnis und schließlich auch seine Ausdrucksfähigkeit. Eine liebevolle, zugewandte sprachliche Begleitung fördert somit nicht nur die Sprachkompetenz, sondern stärkt auch die Bindung zwischen Kind und Pädagog:in.